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  • Romain Poulles

«Für ein resilientes und nachhaltiges Ernährungssystem»

Web-Konferenz «Für ein resilientes und nachhaltiges Ernährungssystem» organisiert vom Verein INFINO (Initiativ fir Nohaltegkeet), in Zusammenarbeit mit der Universität Luxemburg und dem Luxemburger Nachhaltigkeitsrat (Nohaltegkeetsrot) sowie mit der Unterstützung der Œuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte.

April 2021, Tribune libre, Romain Poulles


Der Luxemburger Nachhaltigkeitsrat, als beratendes Gremium für die Regierung und als Think Tank im Bereich Nachhaltigkeit, beschäftigt sich seit geraumer Zeit unter anderem mit dem Thema Ernährung und seinen Zusammenhängen mit dem Wohlbefinden der Bevölkerung, mit dem ökologischen Fußabdruck unserer Gesellschaft, sowie mit den Prinzipien einer nachhaltigen, resilienten Wirtschaft... also auch einer nachhaltigen und resilienten Landwirtschaft.

Der weltweite Bedarf an Nahrungsmitteln wird in Zukunft weiter steigen. Bis 2050 werden zwei Milliarden Menschen mehr auf der Erde ernährt werden müssen. Aber ist das machbar, ohne die Grenzen des Planeten komplett zu überschreiten? Die Umweltbelastung durch unser Ernährungssystem ist schon jetzt enorm und sollte nicht unterschätzt werden.


Unser Ernährungssystem hat viele Probleme wie z.B.:

  1. Unterernährung und Hunger, Übergewicht, Fettleibigkeit oder mangelhafte bzw. unausgewogene Ernährung. Die gesundheitlichen Konsequenzen reichen von vielseitig bis dramatisch.

  2. Das 2te Problem vom Ernährungssystem ist der ökologische Fußabdruck. Auch in Luxembourg trägt das Ernährungssystem einen maßgeblichen Beitrag zum ökologischen Fußabdruck bei. Das wurde festgestellt in einer Studie, die der Nachhaltigkeitsrat 2020 in Zusammenarbeit mit der IBLA durchgeführt hat. Hinzu kommt, dass das aktuelle System Monokulturen fördert: 75% unserer gesamten Nahrung besteht aus nur 12 Pflanzenarten und stammt von 5 Tierarten, wozu Kühe, Schweine und Hühner gehören.

  3. Ein drittes Problem ist, dass 30% der produzierten Nahrung weggeworfen wird

  4. Ein anderes Problem betrifft die natürlichen Ressourcen. Wasser ist unter Stress sowohl was Verfügbarkeit als auch Verschmutzung angeht. Unsere Böden sind degradiert und die Biodiversität in den Böden hält zunehmend ab.

  5. Wir haben ein massives Insektensterben Die Hauptursache für das Sterben von Insekten, wie Schmetterlingen und Bienen, ist die industrielle Landwirtschaft mit ihren Giften (Neonicotinoide...), Herbiziden (Glyphosat...), Überdüngung und die „pflegeleichte“ ausgeräumte, monotone Agrar-Landschaft

  6. und der Klimawandel verstärkt zudem alle diese Probleme.

  7. Zu diesen Problemen gesellen sich andere wie Menschenrechte, Tierrechte, ethische Themen, Abfall, usw.

Landwirtschaft ist also zunehmend linear geworden in den letzten Jahrzenten und produziert immer mehr Abfall.

Die Technologisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft durch viele Maschinen, Roboter, Pestiziden, Herbiziden, Dünger, Fungizide, trägt dazu bei, dass die Landwirtschaft und die Ernährung praktisch zu einer Industriebranche geworden sind mit ähnlichen negativen Auswirkungen wie andere Schwerindustrien – und dass, obwohl die Landwirtschaft traditionell ein regeneratives System ist.


Die europäische “from farm to fork “ Strategie wurde vorgestellt.

Um ein nachhaltiges und resilientes System zu beschreiben, war in meiner Meinung der gewählte Name inkomplett. Deshalb wurde der Gedankenanstoss sofort am Anfang dieser Konferenz mit auf den Weg geben, diese Strategie “from farm to for AND BACK“ umzubenennen, denn „From farm to fork“ weist immer noch sehr stark auf eine Lineare Denkweise hin. Kreisläufe sind die Basis eines natürlichen Systems, und auch die Wirtschaft soll sich in Zukunft auf industrielle Kreisläufe aufbauen, so auch die Landwirtschaft.


Inzwischen sind europäischen Verbraucher und Verbraucherinnen anspruchsvoller geworden, was die Qualität der Lebensmittel angeht, die sie zu sich nehmen – und das sollten sie auch. Sie wollen gesündere, qualitativ hochwertige Lebensmittel und erwarten mehr Transparenz und Rückverfolgbarkeit. In dieser Hinsicht wird eine bessere Kennzeichnung sowohl in Bezug auf die Gesundheit als auch auf die Umweltauswirkungen von Lebensmitteln eine wichtige Rolle bei der Förderung einer sachkundigeren Verbraucherentscheidung spielen. Der Nachhaltigkeitsrat hat sich kürzlich in diese Debatte eingebracht und konkrete Vorschläge zu einer transparenten Labellisierung von Nahrungsmitteln vorgeschlagen.


Eine radikale Umgestaltung unseres Lebensmittelsystems ist notwendig, um unsere Gesellschaft nachhaltiger und widerstandsfähiger zu machen, zudem sollte man die starken und komplexen sozialen, ökonomischen und ökologischen Implikationen nicht übersehen.

Der Nachhaltigkeitsrat hat vor ein paar Wochen, 7 Übergeordnete Prinzipien für eine nachhaltige, resiliente und Zirkuläre Wirtschaft vorgeschlagen. Diese Prinzipien können und SOLLTEN ohne weiteres auf die LandWIRTSCHAFT und unsere Ernährungssystem übertragen werden.


Alle 7 Prinzipien lassen sich direkt auf das Ernährungssystem anwenden:

  1. Zuerst geht es um Wertschöpfung und Werterhaltung. Die Landwirtschaft muss für den positiven Beitrag zum Klimaschutz und zum Erhalt der Artenvielfalt usw., den sie leisten kann, auch angemessen belohnt werden.

  2. Ein Erhährungssystem MUSS holistisch sein. So soll eine neue, Sektorübergreifende Strategie Silos aufbrechen, indem sie einen ganzheitlichen, interdisziplinären, und kollaborativen Ansatz verfolgt.

  3. Abfall muss als Begriff abgeschafft werden! Anstelle soll auf zwei Kreisläufe aufgebaut werden; den biologischen Kreislauf und den technologischen Kreislauf. Es muss sichergestellt werden, dass Nahrung integral in einem Biologischen Kreislauf bleibt und Nährstoffe zurück in den Boden kommen.

  4. Gesundheit und Wohlbefinden sind integrale Bestandteile der Kreislauf- und Landwirtschaft. Begünstigt wird die Schaffung positiver Auswirkungen auf Menschen und Natur. Die alleinige Reduzierung negativer Auswirkungen wird als nicht ausreichend für eine nachhaltige Entwicklung angesehen. Der Mensch ist Teil des Lebenszyklus und ist für sein Überleben und sein Wohlergehen auf Ökosystemleistungen angewiesen.

  5. Die Kreislauf- und Landwirtschaft sind von Natur aus regenerativ. Sie bewahren und verbessern die Ökosystemleistungen und fördern die Artenvielfalt.

  6. Die Kreislauf- und Landwirtschaft begünstigen die Vielfalt der Lösungen in allen technischen, wirtschaftlichen, soziokulturellen und ökologischen Aspekten. Förderung der Biodiversität ist ein wichtiger Bestandteil des Systems.

  7. Gefördert werden zudem lokale und solidarische Lösungen, kooperative Gemeinschaften und lokale Wertschöpfungsketten werden begünstigt.

Der Zusammenhang mit der Landwirtschaft und dem ökologischen Fußabdruck sollte man nicht im negativen Sinn angehen, sondern vielmehr die extrem wichtige Rolle der Landwirtschaft in Blick nehmen, um die Biokapazität eines bestimmten „Territoriums“ deutlich zu verbessern. Biologische Kapazität oder Biokapazität ist die Fähigkeit von Ökosystemen, biologisch nutzbringendes Material zu produzieren und von Menschen produzierten Abfall unter heutigen Bedingungen aufzunehmen. Das Potential der Verbessern der Biokapazität wir allgemein unterschätzt und sicher nicht begünstigt oder belohnt.

Ein resilientes und nachhaltiges Ernährungssystem soll nicht nur den ökologischen Fußabdruck unserer Lebensmittel reduzieren, sondern gleichzeitig einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten, Boden ist zum Bsp. eine sehr effiziente Kohlenstoffsenke, aber einen positiven Beitrag zur Biodiversität, die wiederum eine ausgewogenere Ernährung fördern kann. Bei einer „Farm-to-Fork AND BACK -Strategie“ geht es also nicht nur um Landwirtschaft, sondern auch um Klima, Umwelt, Gesundheit, Digitalisierung, Wettbewerbsfähigkeit, Ressourcenschonung und, lokale und regionale


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